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Aus Jerusalem: Eine Perspektive für anhaltenden Frieden

Der derzeitige Vorschlag zum Waffenstillstand, der jetzt in Gaza diskutiert wird, ist alles
andere als ein Waffenstillstand.


In der Tat könnte ein echter „Waffenstillstand“ dazu führen, die Feindseligkeiten zu
beenden – ähnlich wie beim ersten Weltkrieg. In der 11. Stunde des 11. Tages des 11.
Monats, am 11. November 1918 beendete der Waffenstillstand den Krieg, ebnete den
Weg zum Versailler Friedensvertrag und ermöglichte die Entstehung des Völkerbundes.


Die drei arabischen Begriffe, die im Kontext eines Waffenstillstandes mit der Hamas
aufkommen, haben jedoch nichts mit einem „Waffenstillstand“ zu tun. Diese Begriffe
lauten: “Hudna”, “Tahadia” und “Hudaybiyyah”.


Alle drei Begriffe implizieren die Fortsetzung des Krieges nach einer Pause.


Hudna – eine taktische und vorübergehende Pause im Krieg zwischen islamischen und
nicht-islamischen Kräften. Die Hudna ist nur zur Wiederbewaffnung gedacht.

Die offizielle Islamische Enzyklopädie (London, 1922) definiert Hudna als einen
„vorübergehenden Vertrag“, der von islamischen Führern genehmigt oder aufgehoben
werden kann, je nachdem, ob er den Interessen des Islam dient oder nicht. Eine Hudna
kann nicht länger als 10 Jahre dauern.


Tahadia – ein vorübergehender Stopp feindlicher Aktivitäten, gegen den jederzeit
verstoßen werden kann.

Hudaybiyyah – Ein Verständnis, dass es 10 Jahre lang keine Kämpfe geben wird, benannt
nach dem „Vertrag von Hudaybiyyah“ aus dem Jahr 628 n. Chr. In der Islamischen
Enzyklopädie wird der Hudaybiyyah-Vertrag als „ultimative Hudna“ erwähnt.


Der verstorbene PLO-Führer Yasser Arafat sprach in seinen Reden oft von „einer Hudna“,
als er die Natur der Oslo-Abkommen definierte und beschrieb.


Mit den Worten der Islamischen Enzyklopädie: „Der Hudaybiyyah-Vertrag, den der
Prophet Mohammad 628 n. Chr. mit den Ungläubigen von Mekka geschlossen hatte, war ein
Präzedenzfall für spätere Verträge, die die Nachfolger des Propheten mit Nicht-
Muslimen geschlossen hatten. Mohammad machte damals mit einem Stamm von
Juden eine Hudna, um ihnen Zeit zu geben, ihre Streitkräfte auszubauen. Dann brach er
den Vertrag und löschte sie aus. Obwohl dieser Vertrag innerhalb von drei Jahren nach
seinem Abschluss verletzt wurde, stimmen die meisten Juristen darin überein, dass die
maximale Dauer des Friedens mit dem Feind nicht 10 Jahre überschreiten sollte, da
ursprünglich vereinbart wurde, dass der Hudaybiyyah-Vertrag 10 Jahre dauern sollte.


Hudna, Tahadia und Hudaybiyyah – die einzigen Optionen zum Waffenstillstand mit der
Hamas – sind nicht vergleichbar mit dem Friedensvertrag „Mu’ahada“, den Ägypten 1979
mit Israel unterzeichnet hat, oder aber dem Mu’ahada-Friedensvertrag, den Jordanien 1994
mit Israel unterzeichnet hat.

Wie viele Menschen erinnern sich daran, dass in den letzten Jahren bereits drei Hudnas
mit Gaza abgeschlossen wurden?


Wie viele Menschen erinnern sich daran, was während dieser Hudnas passiert ist? Nun,
die Menschen in Sderot und in der Region Negev in Israel erinnern sich.


Lassen Sie uns die Erinnerungen auffrischen.


Vom 26. November 2006 bis zum 15. Mai 2007 dauerte eine Hudna zwischen der
Hamas und Israel fast sechs Monate. Man kann die Aussage der Hamas fünf Tage vor
Inkrafttreten der Hudna nicht ignorieren: “Der Militärflügel der Hamas wird das
Raketenfeuer stoppen, wenn die Bewohner die Stadt Sderot evakuieren” (vom 21.
November 2006).


Während dieser Hudna haben die Bewohner des Gazastreifens, laut einem IDF-Sprecher,
315 Raketen auf Sderot und den westlichen Negev abgefeuert.


Darüber hinaus gab es eine weitere Hudna mit Gaza, die bis Ende Dezember 2008
andauerte und bei der 878 Raketen aus Gaza abgefeuert wurden.

Vom Ende der Operation “Gegossenes Blei” am 18. Januar 2009, bis zum ersten Tag der
Operation “Wolkensäule” am 12. November 2012, gab es eine Hudna. In dieser Zeit
wurden ungefähr 2.000 Raketen aus Gaza abgefeuert. Eine Million Israelis mussten in
den Notunterkünften Schutz suchen.


Vom Ende der Operation “Wolkensäule” bis zum 30. Juni 2014, wurden 300 Luftangriffe
von Gaza nach Südisrael gestartet – all das geschah während einer weiteren schwachen
Hudna.


Welches Land würde tolerieren, dass Raketen auf sein Territorium abgefeuert werden?
Welches Land würde einer Hudna, Tahadia oder Hudaybiyyah zustimmen, die noch mehr
Luftangriffe versprechen?


Es ist an der Zeit, dass Experten aus dem Nahen Osten die wahre Bedeutung einer
“Hudna” deutlich machen – eine Hudna ist alles andere als ein Waffenstillstand.


David Bedein, der seit 1987 die Israel Resource News Agency im Beit Agron Center in
Jerusalem leitet, hat kürzlich seine Arbeit im Nahum Bedein Center für Nahostpolitik –
Forschung expandiert. Er wird von vier Journalisten, die fließend Arabisch sprechen und
jeweils einen Doktortitel in Nahoststudien besitzen, beraten.

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